Abschliessender Kommentar und Dokumentation der Stellungnahme von naxos.Kino

Hiermit wollen wir die Thematik rund um das Kunstfestival NODE17: Designing Hope bzw. die geplante Filmvorführung des naxos.Kinos mit einem zusammenfassenden Beitrag abschließend kommentieren. Enthalten ist auch die Stellungnahme, die uns seitens des naxos.Kino übermittelt wurde.

Am 12.06.2017 verfassten wir einen offenen Brief an das NODE Forum, worum wir um eine Stellungnahme zum Stellenwert des Dokumentarfilms von Sabrina Dittus, „Milliarden für den Stillstand. Die Rolle der EU im Nahostkonflikt“, im Programm der NODE17 baten. Unnötig ist es dabei zu erwähnen, dass es uns zu keinem Zeitpunkt daran gelegen war, das Festival gänzlich zu diskreditieren.

Wir wurden daraufhin vom NODE Forum unmittelbar an die Organisation naxos.Kino verwiesen bzw. unsere Mail dorthin weitergeleitet, da diese hauptverantwortlich für die Filmvorführung sei. Infolgedessen erreichten uns Ausschnitte aus dem internen Mailverkehr des naxos.Kino, die wir dokumentiert haben, und in denen ersichtlich ist, dass der Geschäftsleiter Wolf Lindner „pro Israel“ offenbar nicht ohne Verunglimpfung denken kann und die „Kollegin“ Malies O. einen schweren antisemitischen Ausbruch erlitt.

Diese Mails erreichten unabhängig von uns auch das NODE Forum. Erst nach unserer Dokumentation jedoch erfolgte eine Stellungnahme seitens der NODE, die später, am 21.06.2017, auch auf deren Homepage veröffentlicht wurde. Dass sich sehr schnell um eine Klarstellung bemüht wurde, ist allerdings hervorzuheben.

In der Stellungnahme stellt das NODE Forum erstmals heraus, dass eine Zusammenarbeit mit dem Kino bzw. dem Theater Willy Praml vertragsbedingt im Rahmen der einwöchigen Festivalzeit besteht. In der Stellungnahme heißt es:

Mit der kooperativen Haltung gegenüber dem ‚naxos.Kino‘ haben wir ihre Programmauswahl für diesen Abend bisher mitgetragen und den Film mit in unserem Programm angekündigt.

Das NODE Forum erklärt zudem, die Äußerungen aus dem Naxos Umfeld seien „schockierend und beleidigend, sodass wir uns gezwungen sahen, die Kooperation zu beenden und die Ankündigung des Films aus unserem Programm zu nehmen“. Die NODE distanziere sich „ausdrücklich von diesen Äußerungen“.

So sehr wir diese Stellungnahme und die darin enthaltene Distanzierung von den antisemitischen Äußerungen begrüßen, bleibt für uns der Beigeschmack, dass die NODE selbst von Beginn an wenig Interesse an einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit unserer Anfrage geäußert hat.

Denn erst nach den Äußerungen aus dem Umfeld des naxos.Kino wurde der Film, der bis dahin nur „mitgetragen“ wurde, scheinbar einer Prüfung unterzogen. Das etwas irritierende Ergebnis lautet: „Eine subtil einseitige Darstellung in der [filmischen; BGAA] Auseinandersetzung haben wir allerdings auch nicht erkannt.“. Es ist möglich, dass die NODE damit Schuldzuweisungen ausdrücklich von sich weisen möchte.

Eine Schuldzuweisung aber, die die Verantwortlichkeit der Festivalorganisation für die dort beworbenen Inhalte angeht, lag nicht in unserer Absicht. Doch glauben wir, die Gründe, weshalb wir die Auswahl des Films und die Einladung von Sabrina Dittus für bedenklich halten, ausreichend klar dargestellt zu haben. Dabei halten wir auch an unserer ursprünglich ausgesprochenen Kritik fest. Dass der Dokumentarfilm „nur“ einer einseitigen Darstellung Vorschub leistet und „Aktivisten“ wie Clemens Messerschmid unwidersprochen eine Plattform zur Propaganda gegen Israel bietet, stellt für uns auch keinen Einwand gegen die Thematisierung der Filmvorführung dar. Denn gerade in der medialen Bearbeitung des Nahostkonflikts ist eine einseitige, verzerrende Darstellung nicht die Ausnahme, sondern vielmehr die Regel. Dass darin nicht immer so subtil vorgegangen wird wie im Film von Fr. Dittus, tut der gesellschaftlichen Wirkung des Films vor dem Hintergrund eines Übermaßes an antiisraelischem Material keinen Abbruch. Der Film tut nichts, um gängige antizionistische Stereotype zu hinterfragen. Vielmehr, so haben wir auch im offenen Brief an das NODE Forum argumentiert, ist eine derartige Darstellung durchaus in der Lage, antisemitische Denkweisen zu verfestigen. Es geht also primär um die Entscheidung, ob ein, selbst demokratisch legitimierter, Film gezeigt wird – oder eben nicht; und darum, ob man eine Person einlädt, die sich von Antisemiten hofieren lässt.

Es ist unsere Ansicht, dass für einen Verein, der – ebenfalls in der gleichen Stellungnahme – angibt, sich „gegen jegliche Art der Diskriminierung, so auch Antisemitismus und Antizionismus“ zu stellen, auch die Option bleibt, im Nachhinein deutliche Worte zu finden und einen Einspruch gegen die antisemitische Normalität, auch im antizionistischen Gewand, zu erheben, und sich die legitimierende Wirkung des eigenen Engagements, das in diesem Fall eine große Zielgruppe im kulturellen Bereich anspricht, zu vergegenwärtigen. Das gleiche beträfe auch und insbesondere das naxos.Kino, das eine breite und gesellschaftlich relevante Plattform darstellt. Es ist erfreulich, dass nun von beiden Parteien dieser Einspruch in Bezug auf die klaren antisemitischen Äußerungen, die aus der Anfrage erfolgten, vorliegt:

Das naxos.Kino übermittelte uns am 26.06.2017 eine Stellungnahme, die unten dokumentiert ist. Dort hatten wir angefragt, ob die betreffenden Personen mit Konsequenzen zu rechnen haben, und welche Überlegungen letztlich zur Streichung des Films aus dem Programm des Kinos geführt haben.

Wir begrüßen die in der Stellungnahme enthaltene Distanzierung von den Äußerungen des ehemaligen Vereinsmitglieds, jedoch vermissen wir eine Auseinandersetzung mit der Äußerung des Geschäftsleiters Wolf Lindner. Eine „Aufforderung zur Zensur“ können wir dagegen in unseren Anfragen nirgends erkennen. Auch wäre die „Konstruktion“ bzgl. des Movimento Kinos tatsächlich unzulässig, sofern diese auch einen Kern unserer Kritik darstellen würde. Über den Auftritt von Fr. Dittus beim Nahost-Forum Bremen wird ebenfalls hinweggesehen.

Auf Wunsch des naxos.Kino wird die Stellungnahme ungekürzt wiedergegeben:

Stellungnahme zu dem „Offenen Brief an das Node Forum- betr.:Milliarden für den Stillstand“ des Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Gießen und Reaktionen darauf

Das naxos.Kino hatte geplant, im Rahmen des Festivals Node 17: Designing Hope am 27. Juni 2017 den Film „Milliarden für den Stillstand: Die Rolle der EU im Nahost-Konflikt“  von Sabrina Dittus zu zeigen.

Der Film berührt einen Aspekt zu dem Leitthema des Festivals: Was kann Hoffnung auf eine bessere Zukunft geben. Dieser Dokumentarfilm zeigt wie wirkungsvoll bzw. wirkungslos der Einsatz von Milliarden von Euros in den letzten Jahren war, die insbesondere von europäischen Ländern für die Verbesserung der Lebensbedingungen in den palästinensischen Gebieten bewilligt wurden. Er zeigt, dass der Einsatz von hochentwickelter Technik keine dauerhafte Lösung sein kann, wenn politische Rahmenbedingungen, die die zu lösenden Probleme maßgeblich verursachen, unangetastet bleiben. Eine effektive Verbesserung der Lebensgrundlage der Menschen in Palästina ist so kaum zu erreichen. Der Film wurde mit Unterstützung verschiedener Filmanstalten, darunter auch von ARTE produziert und dort am 29.9.2015 erstausgestrahlt und am 17.05.2016 wiederholt.

In dem Offenem Brief wird von den Node Festivalmachern verlangt, diesen Film vom Programm zu nehmen. Das Gießener Bündnis hat nach eigenen Angaben keinerlei Belege, dass der Film antisemitisch argumentiert und begründet seine Aufforderung zur Zensur lediglich damit, der Film sei „zutiefst biased und in der Lage, die antisemitische Denkweise zu verfestigen.“

Mangels Belegen machen die Briefschreiber eigenartige Konstruktionen, um den Film in ein schlechtes Licht zu rücken. So sei der Film in einem Berliner Kino gelaufen, in dem später ein „antisemitischer Propagandafilm“ lief. Der im „Milliarden für den Stillstand“ zu Wort kommende EU- Sonderbeauftragte für den Nahost-Friedensprozess Miquel Angel Morationos habe vor Jahren zur Vertuschung des Antisemitismusproblems in Spanien beigetragen. Dies seinen Gründe gegen den Film.

Schlimm genug, eine solche Argumentation, die jedem kritischem Dokumentarfilm den Garaus machen würde. Schlimmer noch die oberlehrerhafte Anmaßung, der Film solle unter Verschluss, weil er antisemitische Denkweisen verfestigen könnte.

Dieses Gießener Bündnis hält wohl wenig mündigen Menschen, die sich selbst ein Urteil über die Entwicklung in Palästina und den Film dazu machen wollen. Der Film thematisiert die Politik Israels nur am Rande, weil es ihm um die „Milliarden“ der EU Länder in den besetzten palästinensischen Gebieten geht,

Das naxos.Kino zeigt seit 12 Jahren jeweils am Dienstag interessante und kritische Dokumentarfilme und wir laden die Besucher zu Zustimmung und Kritik sowohl zur Thematik als auch zu den Filmen ein. Dies nicht nur formal, sondern organisiert: Nach jedem Film gibt es ein Filmgespräch, bei dem in den allermeisten Fällen die FilmemacherInnen  oder ProduzentInnen und weitere Experten anwesend sind. So sollte auch am 27. Juni Sabrina Dittus unser Gast sein.

In einer Zeit, in der weltweit Journalisten, Künstler und Oppositionelle schon alleine wegen einer kritischen Haltung zur staatlichen Politik mit Repressionen und Gefängnis bestraft werden, müssen wir das Recht auf Meinungs- und Informationsfreiheit auch bei uns an erster Stelle stellen. Es sollte sich unter Demokraten verstehen, dass dies jedoch kein Freibrief für Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierung sein kann.

Inzwischen wurde eine Mail von 12. Juni veröffentlicht, die als Reaktion auf den Gießener Brief von einer Person verfasst wurde, die seit Dezember 2016 Jahr nicht mehr dem naxos.Kino angehört und aus dem Trägerverein ausgetreten ist.

Die darin gemachten Äußerungen sind zutiefst antisemitisch. Insbesondere der Vergleich israelischer Politik mit den Nazis, mit der Aufforderung, es müsse Schluss mit der Beschäftigung mit den Vorgängen während des Nationalsozialismus sein  und der Behauptung, Juden bräuchten in Deutschland keinen Schutz.

Wir verurteilen diese Haltung und distanzieren uns von ihr in allen Punkten..

Auf dem Hintergrund dieses Vorgangs scheint uns ein sachliches Gespräch zu diesem Film derzeit erschwert. In Abstimmung mit der Festivalleitung werden wir den Film nicht im Rahmen des NODE 17 zeigen, sondern auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

 

Frankfurt am Main, 16.06.17

 

Für den Vorstand

Naxos.Kino – Dokumentarfilm & Gespräch e.V.

 

Gerd Becker

 

Notiz zur NODE und naxos.Kino

In Kürze erscheint ein abschließender Beitrag zu der Angelegenheit um die geplante Filmvorführung des Dokumentarfilms „Milliarden für den Stillstand“ im naxos.Kino FFM. Hier vorerst ein verspäteter Hinweis:

Während wir weiterhin auf Stellungnahmen zu den antisemitischen Äußerungen aus dem naxos.Kino Umfeld warten, ist der Ausgangspunkt obsolet geworden. Der Film ist aus dem Programm des NODE Forums gestrichen und die Kooperation mit naxos.Kino aufgegeben worden. Auch das naxos.Kino zeigt am gegebenen Datum einen anderen Titel. Dies ist zwar begrüßenswert, hat aber dem bisherigen Anschein nach wenig damit zu tun, dass die Parteien sich inhaltlich mit unserer Anfrage auseinandergesetzt hätten.

Offener Brief erreicht naxos.Kino und ruft antisemitische Reaktion hervor

Vor zwei Tagen verfassten wir einen offenen Brief an das NODE Forum for Digital Arts, das in weniger als zwei Wochen ein umfangreiches Festival in Frankfurt/Main ausrichten wird. Dort im Programm ist die Vorführung eines Dokumentarfilms enthalten, den wir bereits als der Sache nach israelfeindlich kritisierten. Wir baten daher das NODE Forum um eine Stellungnahme.

Inzwischen liegt uns eine Antwort vor. Das NODE Forum habe unsere „Bedenken hinsichtlich der Ausstrahlung des Films ‚Milliarden für den Stillstand‘ und der anschließenden Diskussion mit Frau Sabrina Dittus zur Kenntnis genommen“. Das NODE Forum verwies danach auf den hauptverantwortlichen Veranstalter naxos.Kino – Dokumentarfilm & Gespräch e.V. Dorthin sei die Mail weitergeleitet worden.

Wir finden, das reicht nicht. Zwar findet die Ausstrahlung des Films offenbar im Rahmen der wöchentlichen Filmvorführungen mit anschließender Diskussion im naxos.Kino statt. Jedoch ist ausdrücklich im Programm auf die Zusammenarbeit mit dem NODE Forum hingewiesen. Ferner wird der Programmschwerpunkt weiterhin sowohl auf Facebook als auch auf der Homepage des NODE Forums im Rahmen des NODE17: Designing Hope Festivals beworben. Insofern halten wir eine Stellungnahme des NODE Forums weiterhin für völlig angebracht, da es in keiner Weise ersichtlich ist, inwiefern die von uns kritisierte Grundhaltung des Films den Ansichten der Festivalleitung entspricht.

Es gibt ferner gute Gründe, um spätestens jetzt die Zusammenarbeit mit naxos.Kino aufzukündigen. Es ist erstaunlich, inwiefern der kritische Hinweis auf einen Film, der äußerlich noch den Anschein relativ seichter „Israelkritik“ macht, sogleich antisemitische Ausbrüche provoziert.

Daher also hier ein Einblick, der uns in die Strukturen von naxos.Kino gewährt wurde, und der vom Verfasser auch an ein Mitglied des NODE Forums gesendet wurde, wie unten ersichtlich ist:

FWD Offener Brief

(Hier klicken, um zur größeren Ansicht im neuen Tab zu wechseln)

Den Text selbst können wir gut und gerne für sich selbst sprechen lassen. Die Veröffentlichung erfolgt dabei im öffentlichen Interesse. Die genannte Stellungnahme, die Geschäftsleiter von naxos.Kino Wolf Lindner verfasst haben will, ist öffentlich bislang nirgends aufzutreiben. Wir hoffen sehr, dass das NODE Forum sich ausdrücklich von diesen Vorgängen distanziert. Es hat über die im CC auftauchende Person ohnehin Kenntnis davon.

Kenntnis darüber werden nach unserem Dafürhalten übrigens auch die Förderer von naxos.Kino erhalten.

Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Gießen, 14.06.2017

Offener Brief an die Organisation des „Node Forum“. Betr. die Filmvorführung „Milliarden für den Stillstand“

Auf dem Kunstfestival Node 17: Designing Hope, das vom 26. Juni bis zum 02. Juli 2017 in Frankfurt stattfindet, wird u.a. der Film „Milliarden für den Stillstand. Die Rolle der EU im Nahostkonflikt“, von Sabrina Dittus, gezeigt. Wir haben daraufhin einen (offenen) Brief an die Organisation des Festivals gesendet, den wir im Folgenden, auch zur weiteren Verwendung, dokumentieren:

Sehr geehrte Organisatorinnen und Organisatoren,

im Rahmen des Festivals „Node 17: Designing Hope“, planen Sie am Dienstag, 27.06., neben einer sehr umfangreichen Zahl von Ausstellungen und weiteren Programmpunkten, den Film von Sabrina Dittus „Milliarden für den Stillstand. Die Rolle der EU im Nahostkonflikt“ zu zeigen. Der Film ist an prominenter Stelle im Programm aufgeführt, ebenfalls wird Frau Dittus zu Gast sein neben einem Vertreter der „Ärzte ohne Grenzen“. Somit sticht die Filmvorführung samt Gespräch als Programmschwerpunkt heraus.

Dies finden wir höchst bedauerlich. Denn in Ihrer Veranstaltung soll es augenscheinlich (auch) darum gehen, inwiefern technologische Infrastruktur Hoffnungen und Wünsche formt. Der Film „Milliarden für den Stillstand“ ist dazu allerdings sehr schlecht geeignet. Oder treffender: er kann in diesem Zusammenhang nur zu einer Negativ-Folie für den Zusammenhang von technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt gelesen werden, der darin eine klare Schuldzuweisung enthält. Es folgen zunächst Anmerkungen zum Film, die wir anlässlich einer früheren Gelegenheit verfasst haben, um unsere Kritik zu fundieren.

Der Film wurde bereits im Vorjahr auf dem Globale-Filmfestival in Berlin gezeigt, die im Movimento-Kino stattfand. Bekanntlich wurde dieses Kino später zum Schauplatz von antisemitischen Ausschreitungen  im Rahmen der dort aufgeführten Premiere des antiisraelischen Propagandafilms „Even though my land is burning“. Die Proteste gegen die Aufführung veranlassten damals die Betreiber des Kinos, einer irrationalen Reaktion gemäß, den Film mehr als wie geplant nur einmal vorzuführen.

Dies illustriert aber nur sehr mittelbar, in welchem Umfeld dieser Film bislang gezeigt wurde. Hervorsticht die Einladung Dittus‘ und die Veranstaltung der Filmvorführung durch das „Nahost-Forum Bremen“, die im vergangenen Jahr mit einer Kennzeichnungstour für israelische Waren aufgefallen sind. Rezensionen und Bewerbung für den Film finden sich weiterhin insbesondere in israelkritischen Medien.

Dies alles gibt jedenfalls Anlass, zu fragen, inwieweit die Dokumentation ein zumindest einseitiges Bild des Nahostkonflikts reproduziert. Zumal sich von Seiten der Regisseurin offensichtlich nicht bemüht wird, den Film in einem differenzierten Kontext aufzuführen und den Inhalt desselben zu diskutieren.

Bei einer ersten Durchsicht des Films (einzusehen auf youtube) lässt sich folgendes konstatieren: die Darstellung gibt vor, einen innovativen Weg zu beschreiten, indem die Rolle der Geberländer, allen voran die EU, bei der fehlgeleiteten Entwicklung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) zur Staatlichkeit – ein greifbares Ziel nach den Osloer Verträgen – analysiert wird. Zuletzt ist jedoch, auch ohne dass Israels Politik durchweg offen kritisiert wird, von Beginn des Films an deutlich, worum es geht: Es bedürfe zwar der humanitären Hilfe, denn die PA sei von den Geldern der Geberländer vollkommen abhängig (deutlich: „weil die PA selbst unter Besatzung steht“), aber mehr noch einer politischen Lösung: und die ist hier nur als diplomatischer Druck oder treffender, als politischer Boykott Israels zu interpretieren.

Der dokumentarische Charakter der Produktion spiegelt sich dann auch in Interviews mit Politikern und Aktivisten wider. Während die israelische Seite in der Darstellung keinesfalls gewürdigt wird, kommen einige dubiose Charaktere zu Wort, bspw. der ehem. EU-Sonderbeauftragte für Nahost-Friedensprozesse Miguel Ángel Moratinos, der vor einigen Jahren seinen Beitrag dazu leistete, das Antisemitismusproblem in Spanien zu vertuschen, dieses im gleichen Atemzug mit der israelische Politik begründete, und der ferner mit dem offenen Antisemitismus der Zapatero-Regierung in Verbindung gebracht wurde.

Gänzlich müßig jedoch ist es festzustellen, dass in der Produktion von Dittus wieder einmal der antiisraelische Aktivist Clemens Messerschmid auftreten, und die Leier von der „politisch erzeugten Austrocknung“ (sic!) der Palästinenser über mehr als ein Viertel der Spielzeit des Films wiederholen durfte. Hier kann man einfach auf die Tagesthemen-Kontroverse vom Sommer letzten Jahres verweisen: hier, hier und hier. Zu diesem Thema wird weiterhin ein Vertreter der Jordan Valley Solidarity-Organisation interviewt, deren Partner (unstrittig u.a. BDS) sich teilweise in einer politischen Grauzone bewegen.

Kurzum lässt sich feststellen, dass der Dokumentarfilm auf offenen Antizionismus oder Antisemitismus verzichtet. Mehr oder weniger subtil wird auf einen politischen Boykott Israels angespielt und einer einseitigen Darstellung Vorschub geleistet. Äußerst selten sind bspw. die Anmerkungen dazu, welche (wirtschaftliche) Hilfe Israel gegenüber der PA leistet. Diese werden dann sogleich als nutzlos im Zusammenhang mit der sonst lediglich restriktiven Politik Israels charakterisiert. Andere Ansätze, weshalb die PA 80% ihres Haushalts aus Geberländern erhält und mit einem Drittel des Haushalts im Defizit steckt, werden nicht verfolgt. Ganz zu schweigen vom Hintergrund des Gaza-Krieges 2014, den die Dokumentation als ihren Ausgangspunkt nimmt. Oder anderen Unannehmlichkeiten der Region.

Die Tatsache, dass Sabrina Dittus sich von antisemitischen Veranstaltern einladen lässt, spricht schließlich wenigstens dafür, dass ihr die Kritik des Antisemitismus weniger wichtig ist, als ihre Palästina-Solidarität.

(Original aus: https://bgaagiessen.wordpress.com/2017/01/23/anmerkung-zur-filmvorfuehrung-milliarden-fuer-den-stillstand-von-sabrina-dittus-auf-der-globale-giessen/ )

Wird also fehlende technologische Infrastruktur und die Folgen für die palästinensische Bevölkerung im Film zum zentralen Motiv, bleibt die Darstellung höchst einseitig und wird implizit ein politischer Boykott Israels gefordert. Wir verstehen nicht, inwiefern der Film für Ihre Veranstaltung relevant ist, wenn nicht, um sich das Elend des gegenwärtigen Zustands der Welt einmal am Beispiel zu verdeutlichen, und dabei den Zeigefinger auf die Juden zu richten. Denn vorgeblich geht es im Film um die Rolle der Geberländer und ihren teils absurden Einsatz, in dem die Mittel längst nicht mehr dem vorgeblichen Zweck dienen. Aber da von den realen gesellschaftlichen Bedingungen in Israel und den PA, also einschließlich des Antisemitismus, und da ferner vom größten Teil der historischen Entwicklung völlig abstrahiert wird, ist der eigentliche Gegenstand des Films der naturalisierte und einseitig verzerrte Staat Israel.

Nicht zuletzt erinnern wir erneut daran, dass es sich bei Frau Dittus um eine Person handelt, deren Distanzierung von üblen antisemitischen Gestalten bei mehr als einer Gelegenheit versäumt wurde.

Wir bitten Sie daher um eine Stellungnahme und würden es sehr begrüßen, wenn die geplante Vorführung des Films gestoppt wird. Selbst wenn oder gerade weil es sich bei diesem Film nicht um ein offen antisemitisch argumentierendes Machwerk handelt, sondern ein Ansatz verfolgt wird, der zutiefst biased ist und in der Lage ist, antisemitische Denkweisen zu verfestigen.

Mit freundlichen Grüßen,

Bündnis gegen Antisemitismus und Antizionismus Gießen

Protest gegen die antisemitische KoPI-Konferenz, Frankfurt 09.06.2017

Am 9. Juni soll im „Ökohaus Ka eins“ (Kasselerstr. 1a) in Frankfurt eine Konferenz von BDS-Sympathisanten und anderen antiisraelischen Palästina-Aktivisten stattfinden. Dagegen finden auch Proteste statt, dahergehend möchten wir auf folgende Veranstaltung aufmerksam machen:

https://www.facebook.com/events/1914581605445803/

Weitere Aufrufe finden sich unter:
Gruppe ak.069:
https://ak069.wordpress.com/…/gegen-antisemitismus-und-ant…/
Gruppe TiP:
https://www.facebook.com/events/1853107041678996/

DIG Broschüre über Antisemitismus veröffentlicht

Wir möchten an dieser Stelle gerne auf die Broschüre „Alte und neue Formen des Antisemitismus in unserer Gesellschaft “ der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) aufmerksam machen. Sie enthält auch u.a. Beiträge von Samuel Salzborn und Stephan Grigat („Antisemitismus von links, von rechts und aus der Mitte der deutschen Gesellschaft“ bzw. „Die Einsamkeit Israels am Beispiel des Gaza-Konflikts“ und „Antisemitismus und Antizionismus in der Linken“), die beide an der JLU Gießen lehrten sowie des Öfteren für Vorträge in Gießen zur Verfügung standen. Zu beziehen ist die Broschüre kostenlos als pdf über folgenden Link:

http://www.deutsch-israelische-gesellschaft.de/mediafile/DIG_Antisemitismus.pdf

Anmerkung zur Filmvorführung „Milliarden für den Stillstand“ von Sabrina Dittus auf der Globale Gießen

Seit Samstag, den 21. Januar 2017, findet im Jokus Gießen die Globale statt, das globalisierungskritische Filmfestival Mittelhessen.

Kurzfristig wurden wir auf das Programm dieses Filmfestivals aufmerksam gemacht. So wird unter anderem, am 24. Januar, der Dokumentarfilm „Milliarden für den Stillstand. Die Rolle der EU im Nahostkonflikt“ von Sabrina Dittus gezeigt. Diese wird bei der Vorführung auch als Gast zugegen sein.

Hierzu möchten wir folgende Anmerkungen machen:

Der Film wurde bereits im Vorjahr auf dem Globale-Filmfestival in Berlin gezeigt, die im Movimento-Kino stattfand. Bekanntlich wurde dieses Kino später zum Schauplatz von antisemitischen Ausschreitungen  im Rahmen der dort aufgeführten Premiere des antiisraelischen Propagandafilms „Even though my land is burning“. Die Proteste gegen die Aufführung veranlassten damals die Betreiber des Kinos, einer irrationalen Reaktion gemäß, den Film mehr als wie geplant nur einmal vorzuführen.

Dies illustriert aber nur sehr mittelbar, in welchem Umfeld dieser Film bislang gezeigt wurde. Hervorsticht die Einladung Dittus‘ und die Veranstaltung der Filmvorführung durch das „Nahost-Forum Bremen“, die im vergangenen Jahr mit einer Kennzeichnungstour für israelische Waren aufgefallen sind. Rezensionen und Bewerbung für den Film finden sich weiterhin insbesondere in israelkritischen Medien.

Dies alles gibt jedenfalls Anlass, zu fragen, inwieweit die Dokumentation ein zumindest einseitiges Bild des Nahostkonflikts reproduziert. Zumal sich von Seiten der Regisseurin offensichtlich nicht bemüht wird, den Film in einem differenzierten Kontext aufzuführen und den Inhalt desselben zu diskutieren.

Bei einer ersten Durchsicht des Films (einzusehen auf youtube) lässt sich folgendes konstatieren: die Darstellung gibt vor, einen innovativen Weg zu beschreiten, indem die Rolle der Geberländer, allen voran die EU, bei der fehlgeleiteten Entwicklung der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) zur Staatlichkeit – ein greifbares Ziel nach den Osloer Verträgen – analysiert wird. Zuletzt ist jedoch, auch ohne dass Israels Politik durchweg offen kritisiert wird, von Beginn des Films an deutlich, worum es geht: Es bedürfe zwar der humanitären Hilfe, denn die PA sei von den Geldern der Geberländer vollkommen abhängig (deutlich: „weil die PA selbst unter Besatzung steht“), aber mehr noch einer politischen Lösung: und die ist hier nur als diplomatischer Druck oder treffender, als politischer Boykott Israels zu interpretieren.

Der dokumentarische Charakter der Produktion spiegelt sich dann auch in Interviews mit Politikern und Aktivisten wider. Während die israelische Seite in der Darstellung keinesfalls gewürdigt wird, kommen einige dubiose Charaktere zu Wort, bspw. der ehem. EU-Sonderbeauftragte für Nahost-Friedensprozesse Miguel Ángel Moratinos, der vor einigen Jahren seinen Beitrag dazu leistete, das Antisemitismusproblem in Spanien zu vertuschen, dieses im gleichen Atemzug mit der israelische Politik begründete, und der ferner mit dem offenen Antisemitismus der Zapatero-Regierung in Verbindung gebracht wurde.

Gänzlich müßig jedoch ist es festzustellen, dass in der Produktion von Dittus wieder einmal der antiisraelische Aktivist Clemens Messerschmid auftreten, und die Leier von der „politisch erzeugten Austrocknung“ (sic!) der Palästinenser über mehr als ein Viertel der Spielzeit des Films wiederholen durfte. Hier kann man einfach auf die Tagesthemen-Kontroverse vom Sommer letzten Jahres verweisen: hier, hier und hier. Zu diesem Thema wird weiterhin ein Vertreter der Jordan Valley Solidarity-Organisation interviewt, deren Partner (u.a. BDS) sich teilweise in einer politischen Grauzone bewegen.

Kurzum lässt sich feststellen, dass der Dokumentarfilm auf offenen Antizionismus oder Antisemitismus verzichtet. Mehr oder weniger subtil wird auf einen politischen Boykott Israels angespielt und einer einseitigen Darstellung Vorschub geleistet. Äußerst selten sind bspw. die Anmerkungen dazu, welche (wirtschaftliche) Hilfe Israel gegenüber der PA leistet. Diese werden dann sogleich als nutzlos im Zusammenhang mit der sonst lediglich restriktiven Politik Israels charakterisiert. Andere Ansätze, weshalb die PA 80% ihres Haushalts aus Geberländern erhält und mit einem Drittel des Haushalts im Defizit steckt, werden nicht verfolgt. Ganz zu schweigen vom Hintergrund des Gaza-Krieges 2014, den die Dokumentation als ihren Ausgangspunkt nimmt. Oder anderen Unannehmlichkeiten der Region.

Die Tatsache, dass Sabrina Dittus sich von antisemitischen Veranstaltern einladen lässt, spricht schließlich wenigstens dafür, dass ihr die Kritik des Antisemitismus weniger wichtig ist, als ihre Palästina-Solidarität.